Gerechtigkeit – Warum ist die Welt nicht gerecht?

Diese Frage wurde schon oft und wird auch heute noch oft gestellt.

Warum ist die Welt nicht gerecht?

Warum greift Gott nicht ein?

Wo ist Gottes Gerechtigkeit?

Das sind gute Fragen, darüber kann man nicht meckern. Doch eine Frage fehlt.

Wollen wir überhaupt eine absolut gerechte Welt?

Manche würden diese Frage wahrscheinlich noch mit Ja beantworten. Vielleicht sogar du lieber Leser. Doch ist dir überhaupt bewusst, was dies bedeuten würde?

Sind dir sämtliche Implikationen bewusst, die so eine absolut gerechte Welt mit sich bringen würde?

Denn eine absolut gerechte Welt, bedeutet nicht was du als Gerecht empfindest, sondern was von neutralem Posten aus gerecht wäre.

Wir würden die Konsequenzen von jeder unserer Handlungen sofort spüren.

Diese Konsequenzen wären das dein Haus beginnt zu brennen, dein Konto plötzlich gelöscht wäre durch einen Fehler, du plötzlich krank werden würdest, vielleicht mit schmerzhaften Geschwüren überall am Körper. Plötzliche Lepraerkrankung oder Pest, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Möglichkeiten kann man noch lange weiter aufzählen, aber ich denke du hast den Punkt eventuell verstanden.

Unter Handlungen gelten übrigens Gedanken und das was du sprichst.

„Denn jeder, der eine Seele tötet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben einer Seele rettet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“

Diese Aussage finden wir im Abschnitt Sanhedrin in der Mischna.

Das heißt, tötest du eine Menschen, würde die Gerechte Strafe ausfallen, als hättest du alle getötet.

Doch damit nicht genug, wenn du etwas schlechtes über jemanden anderen sagst, lästerst, Gerüchte über jemanden verbreitest oder jemanden anderen bewusst schlecht machst bspw. mit der Absicht, dass auch andere diese Person nicht mehr mögen, dann ist es auch als hättest du diese Person getötet und gilt ebenfalls unter dem Gebot du sollst nicht töten.

Und wie wir gerade gelesen haben: Wer einen tötet, ist als hätte er alle getötet.

Die gerechte Strafe wäre also die Selbe.

Und jetzt überlege mal wie oft du bereits einmal schlecht über jemand anderen geredet hast? Und sei es auch nur um mal Frust abzulassen?

Wie oft hast du schon Geheimnisse eines anderen an Dritte verraten?

Wie oft hast du schon mal über jemand anderen gelästert?

Ich denke wir alle haben das schon mal in unserem Leben getan.

Als böse Nachrede sind auch verblümte oder versteckte Redensarten verboten, wie: ‚Der‘ und jener ist jetzt brav, oder: Schweigt über den und den, Ich will über ihn nicht sagen, was ich weiß oder ähnliches. Wir dürfen auch unseren Nächsten nicht in Gegenwart seiner Feinde loben, damit sich diese nicht zum Schmähen dieser Person herausgefor­dert fühlen.  Im allgemeinen ist jede Rede, durch welche unserem Nebenmenschen irgend ein Schaden oder eine Verlegenheit bereitet werden könnte, nach der Torah / den 5. Büchern Mose,  verboten.

Und selbst das zuhören zu so etwas gilt als Sünde.

Und das sind nur ein paar Kleine Beispiele nur auf das Töten und auf die Üble Nachrede bezogen. Hast du vielleicht sogar schonmal deinen Partner betrogen? Deinen Arbeitgeber belogen oder mutwillig getäuscht um für dich Vorteile zu erzielen oder um Nachteilen zu entgehen?

Hast du schon einmal etwas geklaut?

Die Liste ließe sich beliebig fortführten.

Und nun stelle dir vor, jeder würde die Konsequenzen seiner Gedanken, Worte und Taten sofort zu spüren bekommen!

Die Menschheit wäre innerhalb einer Stunde zugrunde gerichtet.

Allein der Ausruf: „Gott soll dich strafen!“ käme einem verbalen Mord nahe.

Der Mensch würde sofort in einen Kreislauf der Sünde fallen, sich über Gott beschweren, sich über alles wieder beschweren was dann zu weiteren Konsequenzen führen. Eine absolut gerechte Welt wäre die Hölle auf Erden. Und das wörtlich genommen.

Du hättest gar keine Möglichkeit mehr, dein Leben zu ändern, umzukehren. Teshuva zu machen. Dein Leben wäre vorher vorbei oder so mit Qualen übersät das du gar nicht mehr dazu fähig wärest.

Absolute Gerechtigkeit ist nicht unbedingt was ein einzelner Mensch als gerecht erachtet.

Denn wir neigen dazu das Wort Gerechtigkeit nur dann zu benutzen, wenn es A. zu unserem Vorteil ist ; oder B. wenn es andere betrifft, im Falle dessen, sollte es negativ sein.

Aber so funktioniert Gerechtigkeit nicht.

Denkt einmal drüber nach und fragt euch ob Ihr wirklich wollt das Gott absolute Gerechtigkeit verwirklicht und aktiv in das menschliche Geschehen eingreifen soll.

Shalom und bis zum Nächsten Mal!

 

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